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Schulaufbau in Selenkay


Selenkay liegt im Südwesten Kenias in der Provinz Kajiado. Selenkay ist eine Region, die aufgrund der Tradition den Massai, einer ostafrikanischen Volksgruppe, gehört. Sie möchten hier eine waldorfinspirierte Volksschule aufbauen, in der auch die praktischen Fähigkeiten der Kinder geschult werden. Leiter des Vorhabens ist Leonard Onetu, der dafür auch die gemeinnützige Organisation AMDO gründete.

Mehr über AMDO

Die Amboseli Massai Development Organization (AMDO) wurde von Leonard Onetu gegründet, Mitglied der Massai Group Ranch Selenkay.  Leonard Onetu hatte das Glück, dass seine Gemeinde seine Schulbildung finanzierte. Er absolvierte Internatsschulen bis zum Abitur, studierte Soziologie und schloss mit einem Master ab. Unter den rund 146.000 Menschen des gesamten Distriktes ist Leonard Onetu bis heute einer der wenigen Universitätsabsolventen. Mehrere Jahre arbeitete er für verschiedene kenianische Nichtregierungsorganisationen und das kenianische Landwirtschaftsministerium. Dann wuchs in ihm der Wunsch, etwas von dem zurück zu geben, was er durch seine Gemeinschaft erhalten hatte. Im Gespräch mit den Ältesten der Gemeinde kam die Überlegung auf, eine waldorfinspirierte Schule aufzubauen. Leonard Onetu zu dem Vorhaben: „Die Schule ist ein großes Glück für unsere Gemeinde. Sie gibt uns die Möglichkeit, Werte wie Achtung der Natur und Solidarität unter den Menschen, die uns als Massai wichtig sind, mit einer guten Ausbildung für unsere Kinder zu verbinden.“

Selenkay liegt im Südwesten Kenias in der Provinz Kajiado. Hier baut die lokale Massaigemeinde unter Leitung der Organisation Amboseli Massai Development Organisation (AMDO) eine waldorfinspirierte Grundschule auf, die – wie in Kenia Standard – bis zur siebten Klasse führt, und in der auch die praktischen Fähigkeiten der Kinder geübt werden. Sie ist, zusammen mit ihrem Kindergarten Naretoi („Wir kommen zusammen“) im Jahr 2016 offiziell eingeweiht worden. Die Schule soll den Kindern der Massai zum einen den Zugang zu „konventioneller“ Bildung ermöglichen und zum anderen alltagspraktische Fähigkeiten sowie organischen Landbau nahebringen. In drei bis vier Jahren soll der Besuch der Schule bis zur siebten Klasse – also dem Ende der Primarschule in Kenia - möglich werden. Das Projekt wird umfassend von der Gemeinde vor Ort getragen. So stellte die Gemeinde das Schulgelände zur Verfügung (inzwischen 25 Acres). Sie steuert zusätzlich zu ihrem Arbeitseinsatz vor Ort verfügbare Baumaterialien wie Sand, Kies und Wasser zum Bauvorhaben bei. AMDO koordiniert den Ausbau der Schule und trägt mit dafür Sorge, Menschen aus der Gemeinde auszuwählen, die sich für die Arbeit als Lehrer*in oder als Kindergärtner*in weiter qualifizieren. So wird in die Zukunft der Kinder investiert und zugleich die gesamte Gemeinschaft gestärkt.

Zum Hintergrund

Von Nairobi kommend fährt man weit in Richtung Süden, an der größeren Ortschaft Sultan Hamud vorbei. Dornige Akazien beherrschen die Landschaft, gelbes, dürres Gras auf roter, staubiger Erde soweit das Auge reicht. Insgesamt sind es vier bis fünf Stunden Fahrt.
Nach der Unabhängigkeit wurde von der kenianischen Regierung traditioneller Landbesitz in so genannte Group ranches überführt. Die Massai von Selenkay verfügen über eine solche Group ranch: 74.000 Hektar Savannenland sind in Gemeinschaftsbesitz. Das Land grenzt an den Amboseli National Park, der bis an die Grenze nach Tansania reicht. Etwa 5.000 Familien leben halbnomadisch auf dem gemeinschaftlich verwalteten Land von der Viehzucht. Periodisch auftretende Dürren bedrohen ihr Leben. Sie sind in ihrem Gebiet anzutreffen, wenn es ausreichend geregnet hat und genügend Gras für ihre Herden wächst. Sobald Dürren eintreten, was aufgrund des Klimawandels immer öfter geschieht, ziehen die Männer auf der Suche nach Gras und Wasser mit ihren Herden bis nach Tansania oder in den Norden Kenias. 50% bis 80% der Tiere sterben bei diesen langen und kräftezehrenden Märschen. Die Familien bleiben in Selenkay mit einigen Kleintieren.

Bislang besuchen rund 83 Kinder die Schule in Selenkay
Das neue Schulgebäude inklusive Wassertank
Einer der drei Klassenräume in Selenkay

Für die Massai stellt die Schulbildung ihrer Kinder eine besondere Herausforderung dar. Innerhalb der Group ranch von Selenkay leben rund 2.000 Kinder im Grundschulalter. Insgesamt gibt es aber nur zehn Kindergärten und fünf Grundschulen, die meisten schlecht ausgestattet und mit langen Fußwegen für die Kinder verbunden. Eine weiterführende Schule gibt es in Selenkay gar nicht. In dem Gebiet, wo AMDO tätig ist, gab es vor dem Projektstart im Jahr 2011 keinen Kindergarten und keine Schule.

Leonard Onetu, Leiter des Schulaufbaus, genießt hohes Ansehen in seiner Gemeinde. Seine Organisation hat die nötigen Kapazitäten entwickelt, den Kindergarten und die Grundschule in Selbstverwaltung zu betreuen und das Bauvorhaben umsetzen zu können. Der Kindergarten Naretoi („Wir kommen zusammen“) konnte 2016 eingeweiht werden. Um die Entwicklung des Kindergartens und der Schule zu sichern, ist es wichtig, dass die Gemeinde die Einrichtung trägt und selbst verwaltet. Durch die sichtbar positive Entwicklung fühlt sich die Gemeinde in dieser Aufgabe   bestärkt. Jeder Aufbauschritt beinhaltet einen eigenen Beitrag der Gemeinde, in Form von Arbeit oder von vor Ort verfügbaren Materialien. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Tätigkeiten von AMDO ist das Porridge-Programm. Jeden Tag erhalten die Kinder eine Porridge-Mahlzeit, denn die Kinder sind von unzureichender und unausgewogener Ernährung besonders betroffen.

Das Ziel: Eine florierende Schule mit Kindergarten und Schulfarm

Inzwischen ist es auch gelungen, einen Kindergarten und drei Klassenraumblöcke für die Grundschule zu errichten. Vier Lehrer*innen sind für die Kindergartengruppen und die 83 Schüler*innen in den Klassen eins bis drei der Naretoi Primary School tätig. Außerdem hat die Group ranch der Schule Land zur Verfügung gestellt, sodass das Schulgelände nun 20 Acre (8 ha) umfasst und genügend Raum hat, auch einen Schulgarten anzulegen.

Familien und Kinder in Selenkay

Auswirkungen der Pandemie

2020 konnten aufgrund der Pandemie die geplanten Vorhaben nur bedingt verfolgt werden. Leonard Onetu schildert die Situation vor Ort so: Seit März 2020 haben die Kinder der Naretoi Primary School keinen Unterricht mehr. Die Schulen öffnen voraussichtlich im März 2021 wieder. Da durch die Pandemie den meisten Eltern die ohnehin prekären Einkommen weggebrochen sind und die Schule geschlossen ist, verschlechterte sich die Ernährungssituation der Kinder. Bei geschlossener Schule zahlen die Eltern kein Schulgeld, so dass auch die Lehrkräfte und die Schulköchin keinen Lohn mehr erhielten. Aufgrund vieler Spenden konnte die Zukunftsstiftung Entwicklung Nothilfe leisten. Die Nothilfepakete enthielten Mais, Bohnen, Öl, Reis, Seife und Masken; sie wurden an besonders bedürftige Familien verteilt. Die Kinder erhielten weiterhin eine Porridgemahlzeit und das Schulpersonal eine Übergangsfinanzierung.

Lebensmittelhilfe während der Corona-Pandemie

Trotz alledem gab es zum Jahreswechsel 2020/2021 erfreuliche Nachrichten: der Bau des dritten Klassenraumblocks konnte abgeschlossen werden, und dann auch der Bau des ersten Lehrer*innenhauses. Nun verfügt die Schule über ein Bohrloch mit Wassertank, ein Lehrer*innenhaus, Latrinen getrennt für Jungen und Mädchen sowie drei Klassenraumblöcke mit jeweils zwei Klassenzimmern.
Der Corona-bedingte Lockdown und die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in seiner Folge, machen die Lebensbedingungen vor Ort noch prekärer als ohnehin schon. Dennoch ist das Team von AMDO zuversichtlich, dass sie zum März 2021 den Schulbetrieb mit den gebotenen Hygienestandards wieder aufnehmen können.