Perspektiven für marginalisierte Waisenkinder

Am Ende des Jahres 2004 traf ein riesiger Tsunami die Küstenbezirke von Tamil Nadu. Viele Menschen verloren ihr Leben, viele Kinder verloren ihre Eltern und viele ältere Menschen ihr Zuhause. Das war der Beginn des Kinder- und Senior*innenheims in Arattavadi, Chengam Taluk im Distrikt Tiruvannamalai.

Mehr über WARM

WARM wurde mit dem Ziel gegründet, die Lebensbedingungen der ländlichen Bevölkerung in den Dörfern rund um Thirvannamalai zu verbessern. Heute unterhält WARM in Tamil Nadu 13 informelle Lernzentren für arbeitende Kinder und Straßenkinder und bietet drei Ausbildungsgänge für Schulabbrecher*innen an. Zusätzlich unterhält WARM zwei Heime für Senior*innen und ein Kinderheim sowie eine organische Farm und einen kleinen Milchviehbetrieb. Seit 2001 fördert WARM zudem im Rahmen eines Mikrokreditprogramms Frauen aus ländlichen Regionen in ihrer Selbstständigkeit.

Die gemeinnützige Organisation Welfare Association for the Rural Mass (WARM) wurde 1983 gegründet. Der Gründer und erste Leiter der Organisation verstarb früh. Der heutige Geschäftsführer, K. Rajavelu, begann Ende der 90er Jahre für WARM zu arbeiten. Selbst als Kastenloser geboren, absolvierte er die Volksschule und lernte im Rahmen vieler Fortbildungen weiter. Als Kind war er selbst noch mit der rechtlosen Situation von Kastenlosen konfrontiert.  So musste er mit seinem Vater zu seinem „Besitzer“ gehen, um die Erlaubnis zu erhalten, die Schule zu besuchen. Mittlerweile setzt sich Herr Rajavelu mit WARM für die Verbesserung der rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen benachteiligter Gruppen in Tamil Nadu, Südindien, ein.

Mitarbeiter*innen unserer Partnerorganisation WARM ergriffen nach dem Tsunami 2004 die Initiative und brachten 50 Waisenkinder sowie 50 ältere Menschen, die ihr Zuhause und ihre Familie verloren hatten, in das Dorf Arattavadi im südindischen Tiruvannamalai. Aus der Nothilfe entstand ein bis heute wachsendes Kinder- und Altenheim, betrieben durch WARM.

Die meisten der einstigen Waisenkinder, die damals aus der Not heraus nach Arattavadi zogen, haben bereits ihre Ausbildung abgeschlossen und das Heim verlassen. Sie arbeiten in umliegenden Städten wie Chennai oder sind in ihre Heimatdörfer zurückgekehrt.
2015 hat WARM begonnen, die freiwerdenden Heimplätze Halb- und Vollwaisen aus den umliegenden Gemeinden zur Verfügung zu stellen. Viele von ihnen gehören ethnisch ausgegrenzten Gruppen an. Sie kommen aus sehr armen Familien; viele wurden nur dürftig von Familienangehörigen betreut. Jetzt besuchen alle Kinder die nahe gelegenen staatlichen Schulen. Derzeit leben 87 Kinder, 41 Jungen und 46 Mädchen, gemeinsam mit 13 Senior*innen in dem Heim.

Aufgrund ihrer Herkunft sind die meisten der Waisenkinder sozial, wirtschaftlich und in Bezug auf ihre Bildung benachteiligt. Die Alphabetisierungsraten der ethnischen Gruppen, denen die Kinder angehören, sind sehr niedrig. Staatliche Schulen mit ihren 50 bis 60 Kinder großen Schulklassen sind nicht in der Lage, die strukturellen Benachteiligungen dieser Kinder aufzufangen. Deshalb bietet WARM täglich zusätzliche Unterrichtsstunden an. Gut qualifizierte Lehrer*innen versuchen so, den Waisenkindern Bildungschancen zu eröffnen.

Neben der schulischen Förderung erhalten die Kinder auch die Möglichkeit, an Yoga oder Sportkursen teilzunehmen. Nationale und unterschiedlichste religiöse Feierlichkeiten werden gemeinschaftlich begangen. Zudem werden Programme zur interkulturellen Verständigung durchgeführt sowie gesellschaftliche Aufklärung geleistet. Im Jahr 2019 wurden beispielsweise Sensibilisierungsprogramme zu den Themen Kinderschutz, Frauenrechte und Krebsaufklärung für Mädchen und Frauen angeboten.

Die soziale und gesellschaftliche Entwicklung der Kinder steht ebenso im Fokus wie die schulische. Ziel ist, das Selbstvertrauen der Kinder zu stärken und ihnen eine hoffnungsvolle Zukunftsperspektive zu schaffen.

Für den Betrieb des Kinder- und Senior*innenheims werden jährlich rund 31.000 Euro benötigt.