Der Zauber der Musik

Kinder aus Favelas erfahren in ihrem familiären Umfeld wenig Anregung oder Förderung. Sie haben nur wenig Gelegenheit, ihre Talente zu entdecken und zu entwickeln. Die Erfahrung zeigt, dass Musik, besonders das Erlernen eines Instruments, Singen oder instrumentale Musizieren in einer Gruppe, gerade Kindern aus ärmstem Umfeld große Vorteile bringt.

Mehr über ACMA

Seit 1979 arbeitet der Verein Associação Comunitária Monte Azul (ACMA) mit Menschen, die in den Favelas von São Paulo leben. Heute werden mehr als 6.000 Familien in den drei Favelas Monte Azul, Peinha und Jardim Horizonte Azul erreicht. Grundlage für die vielseitigen sozialen, pädagogischen, kulturellen und Gesundheits-Programme sind Anthroposophie und Waldorfpädagogik. Im Fokus stehen die Wertschätzung jeden Individuums und seine ganzheitliche Entwicklung – unter Berücksichtigung geistiger, körperlicher, spiritueller und künstlerischer Dimensionen – sowie die Ermöglichung von aktiver Teilhabe an der Gestaltung der Gemeinschaft. In den vielseitigen Programmen sind neben 266 festen Mitarbeiter*innen auch über 80 inländische und ausländische freiwillige Helfer*innen tätig.

Gemeinsam mit Bewohner*innen der Favela Monte Azul gründete die Waldorfpädagogin Ute Craemer 1979 den Verein Associação Comunitária Monte Azul (ACMA). Ihr Ziel war, die Lebensbedingungen nachhaltig zu verbessern. Die Spielnachmittage für die Kinder aus der Favela, die Ute Craemer organisierte, erfreuten sich immer größeren Zulaufs. Schnell schlossen sich ihrer Initiative weitere Menschen an, die sich mit ihren Fähigkeiten und Ideen einbrachten und für Kinder, Jugendliche und ihre Familien Angebote machten, etwa im Bereich der Kunstvermittlung, des Theaters, des Tischlerhandwerks, der Geburtsvorbereitung oder der medizinischen Heilkunde.

Die Waldorflehrerin Ute Craemer gründete gemeinsam mit Renate Keller Ignacio 1979 die Associação Comunitária Monte Azul. Sie begannen, Erzieherinnen auszubilden, die in mehreren Gruppen Favela-Kinder nachmittags von der Straße holten. Renate Keller Ignacio fehlte dabei jedoch der direkte soziale und künstlerische Bezug, weshalb sie zur Geige griff. Einige Kinder waren sehr angetan von den Klängen – sowas hatten sie noch nie zuvor gehört. Sie waren begeistert und wollten auch Violine spielen. Renate Keller Ignacio bot den Kindern die Möglichkeit, ein Instrument zu erlernen. So startete die Musikschule in Monte Azul.

Heute werden jährlich etwa 70 Kinder und Jugendliche im Alter von neun bis 21 Jahren in den Streichinstrumenten Geige, Bratsche, Cello und Kontrabass unterrichtet. In den Gesangsklassen werden sogar 120 Kinder in Monte Azul und Peinha musikalisch geschult. Den Rahmen bietet das Programm Nossa Ciranda: In der Tageshälfte, in der die Schüler*innen nicht in der Schule sind, können sie zusammenkommen und betreut ihre Freizeit gestalten. Sie erhalten zwei Mahlzeiten und können handwerklich und künstlerisch tätig sein. In begrenztem Umfang wird ihnen Einzel- oder Gruppenunterricht angeboten.

Insbesondere die Klänge der Geige haben es den Kindern aus der Favela angetan
Neben der Geige werden auch weitere Streichinstrumente unterrichtet

Je nach Anlass werden musikalisch untermalte Theaterstücke und Orchesterauftritte einstudiert. Das bietet nicht nur stetig neue Herausforderungen, sondern auch immer wieder ein Ziel, auf das hinzu gearbeitet werden kann. Dabei kann sich jede und jeder mit ihren/seinen Fähigkeiten einbringen. Eine Aufführung ist jedes Mal aufs Neue ein besonderer Moment. Das Programm zeigt, wie z. B. die Steigerung des Selbstwertgefühls und der Konzentrations- und Anpassungsfähigkeit zu großer Kreativität führen, zur Verbesserung des Sozialverhaltens und zur Fähigkeit, sich Gruppen anzuschließen und sich dort zurecht zu finden. Die Kinder und Jugendlichen brauchen vor allem schöne Erlebnisse, Erfolgserlebnisse und eine Aussicht auf Zukunft.

Das Bruttogehalt eines Musiklehrers mit 20 Arbeitsstunden im Monat beträgt 425 Euro. Die Musikschule benötigt für 19 Lehrer im Jahr rund 97.000 Euro Spenden.